
Sonne, Wind, Wasser, Biomassen, Erdwärme − Erneuerbare Energien sind die Antwort auf Rohstoffverknappung, globale Erwärmung und die schädlichen Auswirkungen der CO2-Emission. Das höchste Potenzial weist dabei die Sonne auf: Ihre von der Erde absorbierte Energie ist etwa zehn Mal so hoch wie der weltweite aktuelle Energiebedarf.
Im Jahr 2008 setzte sich die Stromerzeugung in Deutschland aus den drei Säulen Braunkohle (23,6 Prozent), Steinkohle (19,5 Prozent) und Kernenergie (23,3 Prozent) zusammen. Der weitere Energiemix besteht aus 13,5 Prozent Erdgas, 1,6 Prozent Mineralöl und 2,2 Prozent sonstigen nicht-regenerativen Energien zusammen. 16,3 Prozent werden schließlich durch Erneuerbare Energien abgedeckt, wobei 6,3 Prozent aus Wind, 3,5 Prozent aus Biomasse, 0,7 Prozent durch die Sonne, 1,6 Prozent durch Müllverwertung und 4,2 Prozent durch Wasser gewonnen werden.


Gegenüber der Statistik zur Bruttostromerzeugung von 2007 wurde 2008 ein leichter Anstieg der regenerativen Energien verzeichnet, doch auch die Kernenergie stieg an - auf Kosten der "schmutzigen" Kohle.

Im Jahr 2020 werden voraussichtlich fast 28 Prozent des Endenergieverbrauchs in Deutschland durch Erneuerbare Energien gedeckt. Dies umfasst im Einzelnen 47 Prozent im Strom-, 25 Prozent im Wärme- und 18 Prozent im Verkehrssektor. Voraussetzung dafür ist, dass die Bundesregierung die richtigen Rahmenbedingungen setzt. Das ist das Fazit des energiepolitischen Konzeptes, das der Bundesverband Erneuerbare Energie e.V. (BEE e.V.) vorgelegt hat.
Auch Greenpeace hat eine entsprechende Studie vorgelegt. Die Umweltschutzorganisation sieht Chancen, den weltweiten Energiebedarf bis 2050 zu 80 Prozent aus Erneuerbaren Energien decken zu können. Der Clou am Greenpeace-Konzept: Die Einsparungen bei Brennstoffimporten würden den Umbau komplett finanzieren. Die vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) erstellte Studie liefert einen „Masterplan“ für den steigenden Energiebedarf der Welt, ohne den Klimaschutz zu gefährden. Sie bildet so einen ökologischen Gegenentwurf zum „World Energy Outlook“ der Internationalen Energieagentur (IEA). Als pdf kann die Studie über cleanthinking.de angefordert werden.

Tatsache ist, dass Deutschland Spitzenreiter in der Technologie Erneuerbarer Energien ist. Allein 2008 wurden rund 13,1 Mrd. Euro in neue Anlagen investiert. Der Bundesverband für Erneuerbare Energie betont weiterhin, dass der Export von Anlagen zur Erzeugung von Erneuerbaren Energien in Zukunft die gleiche Bedeutung für die deutsche Volkswirtschaft erhalten wird wie heute die Automobilbranche. So könnten regenerative Energien im Jahr 2020 bereits externe Kosten von mehr als 12 Mrd. Euro einsparen. Um den Wettbewerb auf den Energiemärkten zu fördern, müssten vor allem die mittelständischen Strukturen gestärkt werden.
Branchenprognosen haben ergeben, dass bis 2020 insgesamt mehr als 200 Mrd. Euro am Standort Deutschland investiert und insgesamt 500.000 Arbeitsplätze geschaffen werden könnten. Im selben Jahr würden zudem jährlich 287 Mio. Tonnen CO2 vermieden.
Alle vier Energiekonzerne Vattenfall, EnBW, RWE und E.on haben umfangreiche Investitionsprogramme angekündigt, wobei die beiden Letztgenannten besonders hohe Gesamtinvestitionssummen (1 bis 1,5 Mrd. Euro jährlich) versprechen. Dennoch ist ihr Investitionsanteil für Erneuerbare Energien von 15 bzw. 10 Prozent gemessen an den Gesamtinvestitionen vergleichsweise gering.
Was weniger bekannt ist: Auch der Einsatz Erneuerbarer Energien muss hinsichtlich seiner Umweltverträglichkeit mittels einer Ökobilanz bewertet werden. Bei der Herstellung von Solartechnik kommen beispielsweise giftige Schwermetalle zum Einsatz, die jedoch in der Fabrik verbleiben. Das Solarmodul an sich ist nicht giftig.
Auch Windparks sind wegen möglicher Irritationen für die Vogelwelt nicht unumstritten. So beteiligt sich E.on gerade an einer Studie, die unter anderem die Auswirkungen der Anlagen auf das Verhalten von Zugvögel untersucht. Bei Onshore-Windenergieanlagen bestätigten sich diese Befürchtungen bisher allerdings nicht. Große Offshore-Windparks könnten jedoch Barrieren darstellen und sich auf das Zugverhalten der Vögel auswirken. Ornithologen vermuten, dass Seevögel dadurch teilweise ihre Brut- und Überwinterungsräume verlieren könnten. Abschließende Ergebnisse zu dieser Frage liegen bisher nicht vor, da die großen Windparks erst im Entstehen sind (eon/responsibility).
Verschiedene Wasserkraftprojekte führen ebenfalls zu Veränderungen im Ökosystem. Bei der Verbrennung von Biomasse hingegen können Stickoxide, Schwefeldioxid und Feinstaub entstehen. Einzig die Nutzung von Erdwärme scheint nahezu frei von negativen Umwelteinwirkungen.
Die internationale Energieagentur IEA geht davon aus, dass bis 2030 mehr als ein Viertel des weltweiten Primärenergieverbrauchs durch Erneuerbare Energien gedeckt werden kann. Um dieses Ziel zu erreichen hat sich EUROSOLAR für die Gründung einer internationalen Agentur für Erneuerbare Energien (IRENA) eingesetzt. Dieser gehören mittlerweile 136 Länder – unter anderem auch China – an.
China ist zusammen mit den USA für mehr als 40 Prozent der Emissionen verantwortlich. Präsident Hu Jintao kündigte an, dass China bis 2020 15 Prozent seines Energiebedarfs aus nichtfossilen Quellen – also Erneuerbaren Energien und Kernkraft – gewinnen wird. Außerdem würden bis dahin 40 Millionen Hektar Wald gepflanzt und 140 bis 440 Mrd. Euro in Erneuerbare Energien investiert werden.
Für den Standort Deutschland muss aus der Sicht des ForschungsVerbunds Erneuerbare Energien (FVEE e.V.) noch mehr in die Forschung und Entwicklung im Bereich Erneuerbare Energien investiert werden. Es gilt, die Steigerung der Fördermittel des Bundes von jährlich 20 Prozent in den letzten 3 Jahren beizubehalten. Nur so könne die deutsche Industrie ihre Spitzenstellung in einem stark zunehmenden internationalen Wettbewerb behaupten.
Ziel der Bundesrepublik ist es, bis 2050 den Energiebedarf deutlich zu reduzieren und die Hälfte des Energieverbrauchs durch Erneuerbare Energien abzudecken. Die gegenwärtige Forschungsförderung reicht dafür jedoch nicht aus.
Autorin: Gabriele Mante, Oktober 2009
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