
Weiter geht's mit einem Podium zum Thema nachhaltiges Wachstum. Wieder mal muss sich die Energiesparlampe heftiger Kritik unterziehen. Aber der Reihe nach: Dieses Podium war schillernd besetzt, mit Viola Groebner; dem Generalsekretär des Rats für Nachhaltige Entwicklung Dr. Günther Bachmann, Danyal Bayaz, deutsch-türkischer Journalist und Think Tank 30 Club of Rome Mitglied. Dr Kurt Christian Scheel, Jurist und seit dem Refrendarsexamen beim Bund der Deutschen Wirtschaft tätig. Er leitete die Abteilung Recht, Versicherung und Verbraucherpolitik. Inzwischen leitet er die Abteilung Klima und nachhaltige Entwicklung und ist geschäftsführendes Vorstandsmitglied des econsense-Forums der Deutschen Wirtschaft; der Tübinger Juniorprofessor Prof. Dr. Jörg Tremmel, seines Zeichens Bankspezialist und Diplompolitologe. Er promovierte zu den Theorien der Generationengerechtigkeit und war anschließend als Research Fellow an der London School of Economics und Political Science moderierte.
Die Konzepte der "Innovationsunion" konkurrierten doch mit der Industriepolitik, war ein bedauerndes Statement aus dem Publikum. Das führte weite zum Spannungsverhältnis von Wirtschaft und Nachhaltigkeit. Wie könne Wachstum nachhaltig sein, wenn es mit dem BiP (Bruttoinlandsprodukt) gemessen würde, die eine Größe aus der Wirtschaft sei. Der Nachhaltigkeitsbegriff der EU ist erst seit Gotheburg wie der deutsche, nämlich Ökonomie, Soziales, Ökologie. Zuvor beinhaltete er lediglich Wirtschaftliches und Soziales, plus Umwelt. Dass die Wirtschaft nachhaltig gestaltet werden muss, ist aber unumgehbar, ein Zuwachs der Weltbevölkerung von 30 % auf 9 Milliarden ist absehbar, lediglich 500.000 werden davon in Europa leben und arbeiten, das ist auch heute die Anzahl der Europäer.
Das war die Forumseröffnung von Groebner. Man müsse die "carbon leakage" verhindern (CO2-Emmissionenverlagerung durch Abwanderung der Industrie). Sektoren, wo diese Gefahr besteht: kostenlose Emissionsrechte (kostenlose Allokation) aber nur bis zu einer gewissen Benchmark. "early mover" bekommen eine "advantage". Das EU-weite Umschwenken von der Glühbirne auf die Energiesparlampe spart die Energie von Finnland. Elektromotoren sparen die Energie von Schweden. Fügt sie noch dazu. Eine Technokratin, während ihrer Rede prasselt es Fakten wie Streusel auf den Apfelkuchen.
Nun übernimmt Herrn Scheel. Die EU hat einen 25 %igen Weltmarktanteil in der nachhaltige Industrie, die da v.a. bestünde aus den Umwelttechnologien, den Erneuerbaren, der Recycling- und Abfallwirtschaft. Seines Zeichens Econsense, also Vertreter der deutschen Wirtschaft hält er erstmal ein Plädoyer für diese. 3 Säulen umfassen hier die Befriedigung der Shareholder, Stakeholder und langfristige Wertschöpfungen. "trade-offs" können nicht vermieden werden. Dann vergleicht er die vielgelobte grüne Wirtschaft mit der genau so wichtigen aber immer abgestraften "grauen Wirtschaft", auch "alte Industrie" genannt. Schließlich steckten auch 200km Kupferdraht und Stahl in einem Windrad.
Er fragt: Wievielt Erneuerbar ist möglich? Bis 2050 schätzt er 80 %, wenn Offshore und Desertec Wirklichkeit werden, weitere Technologie-Sprünge sind ja auch noch unbekannt. "Ökologie und Ökonomie" seien jedoch trotz aller Sonntagsreden schwer vereinbar. Man solle Entscheidungen nicht von anderen abhängig machen! Besser wäre doch ein "Green Racing".
Nun übernimmt Bayaz. Das BiP als Referenzkurs schlägt er sofort nieder. Der Generationenvertrag steht kurz vor der Aufkündigung. Sparpakete überall, Bildung wird gekürzt, obwohl gerade noch Geld für die Abwrackprämie da war. Europa hat eine hohe Jugendarbeitslosigkeit zwischen 10 % und 40 % (Spanien). Alle 5 Jahre kommt eine neue Agenda auf den Markt, alle scheitern… die Jugend ist politikverdrossen und blickt der Zukunft eher furchtsam entgegen. Wichtig ist von daher eben qualitatives Wachstum hin zu mehr Lebensqualität! Er spricht erfrischend, präzise, und flink. Er spricht von Lebensqualität. Den Missständen die junge Leute in der Bundesrepublik hemmen, wie zuwenig KITA-Plätze, zu teure Krankenversicherung. Eine Work-Life Balance. Wenn die Wirtschaft in Deutschland um 1 % wächst, hat im Durchschnitt jeder 300€ mehr in der Tasche, aber wo landen die wirklich? Super Typ, mehr davon.
Die zweite Podiumsdiskussion zum "intelligenten Wachstum": Eine spannende Debatte über den Wachstumsbegriff steht uns bevor: Hätte nicht gedacht dass dermaßen viele kritische Wortmeldungen zu dieser Wortwahl anfallen würden. Prof. Dr. Rolf Kreibich vom Institut für Zukunftsfragen und Technologieberatung aus Berlin; Engelbert Beyer, Volkswirtschaftler im Referat für Innovationsentwicklung im Bundesministerium für Bildung und Forschung, Jonas Dreher, Doktorand zur Europäischen Klimapolitik an der HU-Berlin und in der Schwarzkopf-Stiftung tätig, Benedikt Herrmann von Haus aus Biologe, Publizist und Berater international im Bereich Innovation, Prof. Dr. Klaus Hurrelmann forscht zur strategischen Verbindung von Bildungs- Sozial und Gesundheitspolitik, um umfassende Interventionsstrategien zur Prävention von sozialen und gesundheitlichen Benachteiligungen zu entwickeln. Als Moderator fungierte Patrick Wegner, Vorstandsassistent der einladenden Stiftung für die Rechte zukünftiger Generationen und Stipendiat des Max-Planck-Instituts ausländisches öffentliches Recht und Völkerrecht.
... to be continued...
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